Matthias Kraft

Die ersten Lernprogramme und Expertensysteme für Juristen habe ich Mitte der 1980er Jahren an der Uni in München entwickelt. Anfang der 1990 folgten an der Uni Saarbrücken die ersten digitalen Gesetzessammlungen – verlinkt und für Windows optimiert. Es schlossen sich vielfältige Tätigkeiten bei Verlagen und anderen – meist juristischen – Diensten in Deutschland und Europa an.

Das sind über 30 Jahre Erfahrung im Bereich digitaler Medien und dem, was heute als „Legal Tech“ bezeichnet wird. Das ist aber immer noch der ungebrochene Wille, das Beste aus der Technologie für den Arbeitsalltag des Benutzers zu machen. Und das ist die Erkenntnis, dass es seltener an den technischen Möglichkeiten scheitert, als man meint. Oft sind die Menschen das Nadelöhr.

Wichtige Stationen und Projekte

Uni

An mehreren Lehrstühlen habe ich seit Studienbeginn an Rechtsinformatikprojekten gearbeitet:

  • LMU München, Prof. Lothar Phillips
    • 1985, DIMA: Ein System zur Gestaltung von beliebigen, sehr flexiblen Mensch-Maschine-Dialogen, etwa zur Erstellung von Lernsequenzen, Nutzerumfragen oder für unterschiedliche Tests
    • 1986, Auftragsarbeit der Lehrstuhls: System zur synoptischen Darstellung von Dokumenten mit einer Kommentierung der Differenzen
  • Universität Augsburg, Prof. Dieter Suhr
    • 1987, SOPHOS: Ein Subsumptionssystem zur einfachen Erstellung und Nutzung von Subsumptionsschemata mit einer Einbindung von Volltexten
  • Universität des Saarlandes, Prof. Maximilian Herberger
    • 1991: Automatische Generierung von digitalen Gesetzestexten mit Hypertext aus Juris-Daten
    • 1993, ATLAS: System zur zentralen Verwaltung von juristischen Fakten mit einer offenen Schnittstelle für juristische Anwendungen

C.H.Beck (1993 – 2003)

Im größten juristischen Fachverlag war ich in unterschiedlichen Postionen zuletzt als Leiter des LeP (Lektorat für elektronische Publikationen) tätig. An den folgenden Projekte habe ich meist sowohl konzeptionell als auch bei der Realisierung maßgeblich mitgewirkt:

  • 1993: Digitale (Windows-) Gesetzessammlungen (Steuerveranlagungshandbücher, Schönfelder, Sartorius, dtv).
  • 1993: Plattformübergreifende Vernetzung „BeckConnectivity„.
  • 1994: Umstellung der Prozesse auf SGML (heute XML).
  • 1995: CD-ROM-Plattformen für Windows.
  • 1995, 2000: Redaktionssysteme für die beck’schen Internet-Auftritte.
  • 2001: beck-online.
  • 2003: beck2go (mobile Version für beck-online und beck-news).

LexisNexis (2003-2005)

Als Market-Manager (später „Verlagsleiter“) war ich für die Produktplanung in einem neu zu schaffenden deutschen LexisNexis-Angebot zuständig. In diese Zeit fällt vor allem der Aufbau eines Rechtsprechungs- und Literaturnachweises sowie des LexisNexis Online-Kommentars. Die Ziele des internationalen Riesen im deutschen Markt waren sicher zu ehrgeizig. Die Entwicklung hat vielleicht im Markt die Idee des Online-Kommentars ein Stück weit beschleunigt.

Beratung seit 2005

Seit 2005 bin ich als selbständiger Berater für eine Reihe von Kunden tätig. Hier ein paar größere Projekte:

  • Konzeption und Aufbau der Auslandsplattform des Beck-Verlags mit beck-online.cz und legalis.ro.
  • Aufbau von Prozessen für Gesetzgebungsdokumentation und Volltextdatenbanken bei C.H.Beck in Tschechien und All Beck in Rumänien.
  • Interimsmanagement bei Jurion (Wolters Kluwer) in Hamburg.
  • Unterstützung der Innovation bei Wolters Kluwer in Köln, insbesondere bei der Konzeption von Jurion (neu).
  • Interimsmanagement (Electronic Publishing) beim Linde Verlag in Wien:
    • Aufbau von Linde-online,
    • Aufbau von Linde.media, der multimedialen Plattform des Verlags.
  • Konzeption und Realisierung der Prozesse von behrs-online (Behrs Verlag, Hamburg).
  • Konzeption und Realisierung der Prozesse von RuW-Online (Deutscher Fachverlag, Frankfurt).

Bühne und Film

Es gibt noch eine andere Seite: Das ist das Interesse an Bühne und Film.

  • In den 1980er und 90er Jahren habe insgesamt ca. 12 Jahre an der Bayerischen Staatsoper als Statist mitgewirkt und durfte die Probenarbeit mit vielen großen Regisseuren der Zeit erleben etwa August Everding, Jean-Pierre Ponelle, Götz Friedrich, Hans Lietzau, Kurt Horres oder Otto Schenk.
  • Neben meinem Jurastudium habe ich eine Reihe von Seminaren der Theaterwissenschaften in München besucht, darunter mehrmals das Regieseminar von August Everding, sowie Seminare zu Theatertechnik, Kameraführung und zum antiken Theater.
  • Ich habe bei kleineren Theaterproduktionen Regie geführt und auf der Bühne gestanden.
  • Am Augsburger Stadttheater habe ich bei einer Produktion Regiehospitant mitgewirkt.
  • Gelegentlich bin ich als Kleindarsteller in Fernsehproduktionen zu sehen.
  • Unter agentur.kraft.media habe ich eine kleine Schauspielagentur aufgebaut.

Publikationen (Auszug)

  • Austausch juristisch relevanter Fakten zwischen heterogenen Anwendungen : Beschreibung eines theoretischen Ansatzes und Realisierung eines Prototyps mit Beispielen aus dOnline-Anbieter – Der Wettbewerb trägt Früchteem Familienrecht (Dissertation), Elwert, Marburg, 1999, ISBN: 3770811186 / 3-7708-1118-6; PDF
  • Juristische Online Datenbanken – Eine Einkaufshilfe, Kraft Verlag, 2005, ISBN 978-3-9810225-0-6
  • SOPHOS 1.0 – Eine Wissensdatenbank (Teil 1), JurPC – 1990, S. 496 – 504
  • SOPHOS 1.0 – Die Software-Probe (Teil 2), JurPC – 1990, S. 540 – 547
  • ComfoDesk: Das Büro im PC, JurPC – 1992, S. 1471 – 1478
  • ObjectVision: Ein Formular mit dem man rechnen kann, JurPC – 1992, S. 1880 – 1882
  • ObjectVision-Workshop: Automatische Tenorierung der vorläufigen Vollstreckbarkeit, JurPC – 1993, S. 1977 – 1982
  • Alter Traum in neuem Gewande? LCD-Tablett und Windows für Pen-Computer, JurPC – 1993, S. 2331 – 2333
  • Online-Anbieter – Der Wettbewerb trägt Früchte, Password v. 1.6.2005
  • Googlen in Fachinformationen – Professionelle Datenbanken entdecken die Suche in einer Zeile, Password v. 01.10.2005
  • Im Westen nichts Neues; Im Osten ein Schritt zurück, Password v. 01.06.2006
  • Hohe Kompetenz im Wirtschaftsrecht, Berater-Magazin | 11/2018